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Entwicklungsstufen von Unternehmen: auf welcher Stufe steht Ihre Organisation?

Unternehmen stehen heute vor der großen Herausforderung, dauerhaft anpassungsfähig und leistungsfähig zu bleiben. Märkte, Technologien und Kundenerwartungen verändern sich rasant  und wer als Organisation Schritt halten will, muss sich kontinuierlich weiterentwickeln. Doch was bedeutet das konkret? Und wie lässt sich erkennen, wo ein Unternehmen aktuell steht?

Unternehmensentwicklung ist mehr als Strukturveränderung

Viele Veränderungsinitiativen konzentrieren sich auf neue Strukturen, Prozesse oder IT-Systeme. Doch solche Maßnahmen allein führen selten zu echter Transformation. Wer sein Unternehmen wirklich weiterentwickeln möchte, muss tiefer ansetzen: bei den Denk- und Handlungsmustern der Organisation, bei ihrer Kultur und letztlich bei der Frage, wie Entscheidungen getroffen und Verantwortung wahrgenommen wird.

Organisationsentwicklung ist daher eine ganzheitliche Entwicklungsaufgabe. Sie verlangt ein Verständnis dafür, auf welcher Entwicklungsstufe sich das Unternehmen gerade befindet und welche Schritte notwendig sind, um die nächste Stufe zu erreichen.

Dynamik statt Hierarchie: Warum Wandel heute unverzichtbar ist

Traditionell waren viele Unternehmen funktional und hierarchisch organisiert. Diese Strukturen boten Stabilität und klare Zuständigkeiten, doch sie stoßen in einer zunehmend komplexen Welt an ihre Grenzen.

Heute zählt vor allem die Fähigkeit, schnell, vernetzt und eigenverantwortlich zu handeln. Unternehmen, die das ermöglichen, sind innovativer, agiler und resilienter gegenüber Veränderungen im Markt.

Führungskräfte stehen damit vor einer neuen Aufgabe: Sie müssen nicht nur Veränderungen anstoßen, sondern Rahmenbedingungen schaffen, in denen Weiterentwicklung auf allen Ebenen möglich wird. Das erfordert Orientierung, Mut und ein tiefes Verständnis organisationaler Dynamiken.

Das Graves Value System als Kompass für Entwicklung

Eine hilfreiche Orientierung bietet das sogenannte Graves Value System, das auf der Entwicklungstheorie von Prof. Clare W. Graves basiert. Es beschreibt, wie sich Menschen, Organisationen und sogar ganze Gesellschaften in verschiedenen Entwicklungsstufen bewegen und welche Werte, Strukturen und Verhaltensweisen jeweils dominieren.

Diese Theorie bildet auch eine wichtige Grundlage unserer Beratungsarbeit:

Wir gestalten Veränderungsprozesse immer so, dass sie zur aktuellen Entwicklungsstufe des Unternehmens passen, in Tempo, Kommunikationsstil und Methodik. Nur dann kann Transformation nachhaltig wirken.

Vier zentrale Entwicklungsstufen von Unternehmen

In der heutigen Unternehmenswelt lassen sich vier Entwicklungsstufen besonders deutlich beobachten:

  • Hierarchische Organisation
    Entscheidungen werden zentral getroffen. Strukturen sind klar, Abläufe geregelt. Stabilität steht im Vordergrund.
  • Funktionale Organisation
    Arbeitsteilung und Effizienz prägen die Organisation. Verantwortung ist nach Funktionen gegliedert, was Spezialisierung ermöglich,  aber oft zu Silodenken führt.
  • Prozessorientierte Organisation
    Der Fokus liegt auf durchgängigen Prozessen und Kundennutzen. Zusammenarbeit über Abteilungsgrenzen hinweg gewinnt an Bedeutung.
  • Evolutionäre Organisation
    Entscheidungen werden gemeinschaftlich getroffen, auf Basis klarer Prinzipien. Selbstorganisation, Sinnorientierung und Lernfähigkeit prägen die Kultur.

Jede Stufe baut auf der vorherigen auf und kann nicht übersprungen werden. Auch ein Schritt zurück ist möglich. Elemente früherer Stufen verschwinden nicht, sondern erscheinen in veränderter Form in der nächsten Entwicklungsphase wieder.

Kultur, Sinn und Ziele als Entwicklungsindikatoren

Ob ein Unternehmen in seiner Entwicklung weiterkommt, hängt nicht nur von Strukturen ab.

Auch Sinn, Ziele und Zweck spielen eine entscheidende Rolle. Warum existiert die Organisation? Wofür engagieren sich die Menschen, die in ihr arbeiten? Mögliche Zielrichtungen können sein:

  • Arbeitsplätze sichern
  • Gewinn maximieren
  • Innovation fördern
  • Gerechtigkeit und Fairness herstellen

Solche Fragen helfen, den eigenen Entwicklungsstand besser einzuordnen und die nächsten Schritte gezielt anzugehen.

Auf dem Weg zur nächsten Entwicklungsstufe

Wenn Sie herausfinden möchten, auf welcher Stufe sich Ihr Unternehmen aktuell befindet oder warum ein Veränderungsprozess nicht den gewünschten Erfolg gebracht hat, unterstützen wir Sie gerne. Gemeinsam analysieren wir, wo Ihre Organisation steht, und entwickeln den passenden Weg zur nächsten Entwicklungsstufe, mit praxiserprobten Tools, klarer Kommunikation und einem tiefen Verständnis für die Dynamiken von Wandel.

Fazit:

Unternehmensentwicklung ist kein einmaliges Projekt, sondern ein fortlaufender Prozess. Wer versteht, auf welcher Entwicklungsstufe er sich befindet, kann gezielt die Weichen für eine nachhaltige Zukunft stellen.

„Sie sind der Chef, sorgen Sie mal dafür, dass…“ – Wenn informelle Probleme strukturell adressiert werden müssen

„Sie sind der Chef, sorgen Sie mal dafür, dass …“ – ein Satz, der Verantwortung zuweist, aber selten echte Lösungen bringt.

Die Ausgangslage: Papierberge und Prozesslücken

In einem Krankenhaus wurde ich beauftragt, Interviews durchzuführen, um herauszufinden, wie viel papierbasierte Dokumentation im Rahmen der Behandlung noch anfällt. Ziel war es, Wege zu finden, den Papieranteil zu reduzieren. Denn Papierakten, die über Jahrzehnte aufbewahrt werden müssen, verursachen nicht nur Platzbedarf, sondern auch erhebliche Kosten.

Im Zuge der Interviews zeigte sich ein unerwartetes, aber deutlich spürbares Thema: die Arztbriefschreibung. Obwohl klar geregelt, wurden Briefe oft am eigentlichen Prozess vorbei erstellt oder nicht korrekt fertiggestellt. Die Folgen waren teils gravierend: verspätete Versendungen, mangelnde Qualität, zu lange Durchlaufzeiten.

Zwischen Auftragsgrenze und Verantwortung

Auf den ersten Blick fiel dieses Thema nicht in den eigentlichen Projektauftrag. Doch als systemischer Berater stelle ich mir dann die entscheidende Frage: Kann man es trotzdem ignorieren? Die Antwort lautete in diesem Fall ganz klar nein. Denn der unstrukturierte Prozess hatte direkte Auswirkungen auf das übergeordnete Ziel der Digitalisierung.

Ich entschied mich, das Thema mit meinem Auftraggeber zu besprechen. Gemeinsam kamen wir zum Schluss, dass die Verantwortlichen eingebunden werden müssen. Nicht im Sinne eines „Fingerzeigs“, sondern als konstruktiver Schritt zur Verbesserung.

Dialog statt Schuldzuweisung

Gemeinsam mit dem Auftraggeber wurde die Situation schriftlich aufbereitet. Die betreffende Führungskraft erhielt die Unterlagen mit dem Vorschlag, in einem gemeinsamen Gespräch Fragen zu klären, ein gemeinsames Verständnis zu entwickeln und konkrete nächste Schritte zu vereinbaren.

Vor dem Gespräch äußerte mein Auftraggeber Bedenken. Die Erfahrung mit ähnlichen Situationen war bisher frustrierend: Rückzug, Vermeidung, kaum echte Auseinandersetzung. Meine Rolle in dem Gespräch war klar. Ich sollte die Situation sachlich schildern und ein lösungsorientiertes Vorgehen vorschlagen, ohne die Verantwortung abzuschieben.

Das Ergebnis: Konstruktive Klarheit statt Konfrontation

Entgegen der Erwartung verlief das Gespräch in einer angenehmen, offenen Atmosphäre. Die Führungskraft zeigte sich ansprechbar, nachvollziehbar interessiert und stimmte dem skizzierten Vorgehen zu. Mein Auftraggeber war sichtlich überrascht. Bisher war so ein Ergebnis intern kaum vorstellbar gewesen.
Es zeigte sich erneut, wie wichtig eine gute Vorbereitung, ein klarer Rahmen und ein dialogorientierter Ansatz sind. Statt „Sie sind der Chef, sorgen Sie mal dafür, dass …“ wurde Verantwortung konstruktiv übernommen.

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Über diese Kolumne
In unserer Reihe „Aus dem Leben eines Beraters“ geben unsere Beratenden persönliche Einblicke in ihren Arbeitsalltag. Sie schildern konkrete Situationen, Herausforderungen und Erfahrungen aus Projekten – und zeigen, wie sie diese im Sinne unserer Kunden gemeistert haben.

👉 Zum Beraterprofil von Thomas Ziemer

Maschine und Mensch berühren sich

Wenn KI alles kann – wozu noch Beratung?

KI verändert Organisationen und Entscheidungsprozesse tiefgreifend. Effizienzgewinne und Automatisierungspotenziale stehen im Fokus, gleichzeitig wächst die Unsicherheit, wie diese Technologien verantwortungsvoll und wirksam eingesetzt werden können. Auch im Beratungsumfeld führt das zu einem Paradigmenwechsel.

Fachwissen allein macht Transformationen nicht erfolgreich

In den vergangenen Jahren hat sich gezeigt, dass Unternehmen Transformationen nicht mehr allein mit Fachwissen und Projektsteuerung bewältigen können. Studien zum ROI professioneller Veränderungsbegleitung belegen: Ohne strukturiertes Change Management, systemische Begleitung und eine professionelle Beratung sinkt die Erfolgswahrscheinlichkeit von Transformationsprojekten drastisch.

Das hat den Beratungsmarkt bereits verändert. Heute reicht Fachexpertise nicht mehr aus. Entscheidend ist die Fähigkeit, in komplexen Systemen wirksam zu agieren, Dynamiken zu verstehen und Veränderungen anschlussfähig zu gestalten. Diese systemische Kompetenz, wie sie unter anderem in unserer Schwestergesellschaft, der Change Akademie, vermittelt wird, wird durch den Einsatz von KI nicht ersetzt, sondern noch wichtiger.

Warum Beratung trotz oder gerade wegen KI unverzichtbar bleibt

Die Möglichkeiten von KI sind enorm, für Unternehmen ebenso wie für Beratungen. Gleichzeitig birgt ihr Einsatz erhebliche Risiken. Standardisierte KI-Lösungen, die ohne Anpassung auf individuelle Unternehmenslogiken übertragen werden, können erheblichen Schaden verursachen. Denn Organisationen folgen eigenen Regeln, Sprachen und Geschwindigkeiten.

KI erzeugt oft eine vermeintliche Geschwindigkeit, der das Unternehmen kulturell und strukturell noch nicht folgen kann.

Genau hier setzt moderne Beratung an: Sie übersetzt technologische Möglichkeiten in realistische, akzeptierte und umsetzbare Schritte, abgestimmt auf das System des Kunden.

Nutzen durch den gezielten Einsatz von KI in der Beratung

Professionelle Beratung, die KI sinnvoll integriert, schafft für Unternehmen einen messbaren Mehrwert:

  • kürzere Lieferzeiten für Analysen, Konzepte und Dokumentationen
  • höhere Qualität und Konsistenz in der Aufbereitung von Ergebnissen
  • effizientere Vorbereitung von Strategien und Entscheidungsgrundlagen
Die Rolle der Beratung verschiebt sich und wird dadurch relevanter

Beratung der Zukunft wird sich stärker auf folgende Kompetenzen konzentrieren:

  • Verstehen des Kundensystems und seiner aktuellen Dynamiken
  • Übersetzen technologischer Möglichkeiten in akzeptierte Lösungen
  • Moderation und Begleitung mit hoher Interaktionskompetenz
  • Sicherstellung, dass Lösungen zum Unternehmen passen – nicht umgekehrt
  • Souveräner und individueller Einsatz von KI als Werkzeug, nicht als Ersatz
 Fazit – Was Beratung künftig leisten muss 

KI verändert Beratung, aber sie macht sie nicht überflüssig. Sie macht sie anspruchsvoller, strategischer und für Unternehmen wertvoller. Wer nur auf Technologie setzt, riskiert Kulturbrüche, Widerstand und Reibungsverluste. Wer Beratung und KI kombiniert, schafft Tempo mit Substanz.

Aus dem Leben eines Beraters - Christian Sahr

Verbindlichkeit entsteht nicht durch Workshops, sondern gute Entscheidungsarchitektur

„Christian, unsere mittlere Führungsebene hat ein Problem mit Entscheidungsverbindlichkeit im S/4HANA-Projekt …“

In vielen Projekten klingt es so oder ähnlich: „Getroffene Entscheidungen des Lenkungskreises werden hintenrum ausgehebelt, zurückgezogen oder ignoriert. Wir haben Workshops zu Führung und Verantwortung gemacht, Einzelcoachings für kritische Führungskräfte aufgesetzt und mit externen Beratern an einer neuen Führungsleitlinie gearbeitet. Doch irgendwie bringt das alles nichts …“

Was auf den ersten Blick logisch und konsequent erscheint, das Problem bei den Menschen zu suchen und dort mit Coachings und Werten anzusetzen. erweist sich in der Praxis oft als ineffektiv. Spätestens nach drei bis vier Wochen sind viele der alten Muster zurück.

Warum? Weil das eigentliche Problem nicht auf der persönlichen Ebene liegt, sondern in der Struktur und Dynamik des Systems.

Systemische Beobachtung statt vorschneller Intervention

Um Muster zu erkennen, muss man nicht gleich verändern, sondern zuerst beobachten.

Deshalb habe ich als Berater in diesem Fall vier aufeinanderfolgende Sitzungen des Lenkungskreises begleitet. Das Ergebnis war überraschend:

  • Die Besetzung der Meetings war gut.
  • Die Entscheidungsgrundlagen waren sauber vorbereitet.
  • Die Diskussionen verliefen sachlich und zielorientiert.
  • Nach rund 20 Minuten wurde jeweils eine Entscheidung getroffen.

Und doch: Kaum zwei Wochen später wurden die getroffenen Entscheidungen wieder infrage gestellt oder sogar rückgängig gemacht. Die Verbindlichkeit fehlte weiterhin.

Warum klassische Ansätze Entscheidungsverbindlichkeit nicht sichern – Was wirklich gefehlt hat

Nicht Mindset.
Nicht Werte.
Nicht Motivation.

Was fehlte, war Zeit für Konsequenzbewusstsein. In den Meetings wurde zwar formal entschieden, doch ohne ausreichend Raum, um die Auswirkungen dieser Entscheidungen für den eigenen Bereich durchzudenken. Viele Führungskräfte gaben ihr „Ja“, obwohl sie bereits innerlich zögerten, nicht aus bösem Willen, sondern weil der Entscheidungsprozess diesen Schritt schlicht nicht vorgesehen hatte.

So kann Entscheidungsverbindlichkeit systemisch gestärkt werden

Als die Organisation dies erkannte, wurde der gesamte Ansatz zur Lösung des Problems neu gedacht.

Die simple, aber wirksame Lösung:

  • Entscheidungen werden nicht mehr im gleichen Termin getroffen, in dem sie diskutiert werden.
  • Stattdessen werden Themen zunächst vorgestellt und diskutiert.
  • Die tatsächliche Entscheidung erfolgt im darauffolgenden Meeting.

Das verschafft allen Beteiligten die notwendige Zeit zur Reflexion. Und erst dann entsteht echte Verbindlichkeit.

Ergebnis: Stabile Entscheidungen ohne Rückzieher. Entscheidungsverbindlichkeit wurde zur Norm.
  • Coachingmaßnahmen und Workshopreihen wurden eingestellt
  • Die Organisation sparte Zeit und Budget
  • Die Entscheidungskultur verbesserte sich spürbar
  • Rücknahmen von Entscheidungen gehören seitdem zur Ausnahme
  • Das Projekt gewann deutlich an Stabilität und Klarheit
Theoretischer Hintergrund zur Intervention

In komplexen Organisationen funktionieren viele Prozesse nach Mustern, die sich nicht mit „mehr Motivation“ oder „neuen Werten“ aufbrechen lassen. Stattdessen braucht es Raum für systemische Selbstreflexion und den Mut, strukturelle Ursachen zu erkennen.

Oft scheitert Entscheidungsverbindlichkeit nicht am Menschen, sondern an zu kurzen oder schlecht gestalteten Entscheidungsprozessen. Wenn Organisationen lernen, Entscheidungsvorbereitung und -verantwortung voneinander zu trennen, entstehen robustere Ergebnisse, ohne Zwang und ohne symbolische Pseudo-Maßnahmen.

Ihr Christian Sahr
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Über diese Kolumne
In unserer Reihe „Aus dem Leben eines Beraters“ geben unsere Beratenden persönliche Einblicke in ihren Arbeitsalltag. Sie schildern konkrete Situationen, Herausforderungen und Erfahrungen aus Projekten – und zeigen, wie sie diese im Sinne unserer Kunden gemeistert haben.

👉 Zum Beraterprofil von Christian Sahr

Aus dem Leben eines Beraters - Christian Sahr

Verbindlichkeit entsteht nicht durch Workshops, sondern gute Entscheidungsarchitektur

„Christian, unsere mittlere Führungsebene hat ein Problem mit Verbindlichkeit im S/4HANA-Projekt …“

In vielen Projekten klingt es so oder ähnlich: „Getroffene Entscheidungen des Lenkungskreises werden hintenrum ausgehebelt, zurückgezogen oder ignoriert. Wir haben Workshops zu Führung und Verantwortung gemacht, Einzelcoachings für kritische Führungskräfte aufgesetzt und mit externen Beratern an einer neuen Führungsleitlinie gearbeitet. Doch irgendwie bringt das alles nichts …“

 

Was auf den ersten Blick logisch und konsequent erscheint, das Problem bei den Menschen zu suchen und dort mit Coachings und Werten anzusetzen, erweist sich in der Praxis oft als ineffektiv. Spätestens nach drei bis vier Wochen sind viele der alten Muster zurück.

 

Warum? Weil das eigentliche Problem nicht auf der persönlichen Ebene liegt, sondern in der Struktur und Dynamik des Systems.

 

Systemische Beobachtung statt vorschneller Intervention

Um Muster zu erkennen, muss man nicht gleich verändern, sondern zuerst beobachten.

Deshalb habe ich als Berater in diesem Fall vier aufeinanderfolgende Sitzungen des Lenkungskreises begleitet.

 

Das Ergebnis war überraschend:

  • Die Besetzung der Meetings war gut.
  • Die Entscheidungsgrundlagen waren sauber vorbereitet.
  • Die Diskussionen verliefen sachlich und zielorientiert.
  • Nach rund 20 Minuten wurde jeweils eine Entscheidung getroffen.

Und doch: Kaum zwei Wochen später wurden die getroffenen Entscheidungen wieder infrage gestellt oder sogar rückgängig gemacht. Die Verbindlichkeit fehlte weiterhin.

 

Warum klassische Ansätze Entscheidungsverbindlichkeit nicht sichern – Was wirklich gefehlt hat

Nicht Mindset.

Nicht Werte.

Nicht Motivation.

 

Was fehlte, war Zeit für Konsequenzbewusstsein. In den Meetings wurde zwar formal entschieden, doch ohne ausreichend Raum, um die Auswirkungen dieser Entscheidungen für den eigenen Bereich durchzudenken. Viele Führungskräfte gaben ihr „Ja“, obwohl sie bereits innerlich zögerten, nicht aus bösem Willen, sondern weil der Entscheidungsprozess diesen Schritt schlicht nicht vorgesehen hatte.

 

So kann Entscheidungsverbindlichkeit systemisch gestärkt werden

Als die Organisation dies erkannte, wurde der gesamte Ansatz zur Lösung des Problems neu gedacht.

 

Die simple, aber wirksame Lösung:

  • Entscheidungen werden nicht mehr im gleichen Termin getroffen, in dem sie diskutiert werden.
  • Stattdessen werden Themen zunächst vorgestellt und diskutiert.
  • Die tatsächliche Entscheidung erfolgt im darauffolgenden Meeting.

Das verschafft allen Beteiligten die notwendige Zeit zur Reflexion. Und erst dann entsteht echte Verbindlichkeit.

 

Ergebnis: Stabile Entscheidungen ohne Rückzieher

 

  • Coachingmaßnahmen und Workshopreihen wurden eingestellt
  • Die Organisation sparte Zeit und Budget
  • Die Entscheidungskultur verbesserte sich spürbar
  • Rücknahmen von Entscheidungen gehören seitdem zur Ausnahme
  • Das Projekt gewann deutlich an Stabilität und Klarheit

 

Theoretischer Hintergrund zur Intervention

In komplexen Organisationen funktionieren viele Prozesse nach Mustern, die sich nicht mit „mehr Motivation“ oder „neuen Werten“ aufbrechen lassen. Stattdessen braucht es Raum für systemische Selbstreflexion und den Mut, strukturelle Ursachen zu erkennen.

Oft scheitert Verbindlichkeit nicht am Menschen, sondern an zu kurzen oder schlecht gestalteten Entscheidungsprozessen. Wenn Organisationen lernen, Entscheidungsvorbereitung und -verantwortung voneinander zu trennen, entstehen robustere Ergebnisse, ohne Zwang und ohne symbolische Pseudo-Maßnahmen.

Über diese Kolumne
In unserer Reihe „Aus dem Leben eines Beraters“ geben unsere Beratenden persönliche Einblicke in ihren Arbeitsalltag. Sie schildern konkrete Situationen, Herausforderungen und Erfahrungen aus Projekten – und zeigen, wie sie diese im Sinne unserer Kunden gemeistert haben.

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Veränderung gestalten: Jennifer Reckow im TransformationsTheater-Podcast

Veränderung gestalten: Jennifer Reckow im TransformationsTheater-Podcast

Einblicke in erfolgreiche Change-Prozesse, digitale Transformation und die Rolle von Beratung

 

Veränderungsprozesse sind heute mehr denn je ein zentraler Erfolgsfaktor für Unternehmen. Im TransformationsTheater-Podcast spricht unsere Geschäftsführerin Jennifer Reckow mit den Hosts Niklas Rakowski, Thomas Bachmann und Marcus Berghaus über Chancen, Herausforderungen und notwendige Kompetenzen im Wandel, von interner Politik über Beratungsstrategien bis hin zur Nutzung von Künstlicher Intelligenz.

 

Warum Veränderung unvermeidbar ist

Transformation ist kein Nice-to-have, sondern Voraussetzung, um im Wettbewerb zu bestehen. Veränderung ist notwendig für Wachstum und oft der einzige Weg, um neue Potenziale zu erschließen. Doch warum scheitern viele Projekte trotzdem?

 

Im Podcast erklärt die Change-Expertin, weshalb unklare Ziele, fehlende strategische Ausrichtung und falsche Architektur häufig Stolpersteine sind. Dabei zeigt sie auf, wie wichtig es ist, Unternehmen ganzheitlich zu betrachten und frühzeitig die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen.

 

Die Rolle von Beratung: Außenblick mit Wirkung

Erfolgreiche Transformation braucht Expertise, intern wie extern. Jennifer Reckow teilt dazu authentische Einblicke aus ihrer Arbeit als Beraterin und erklärt, warum externe Berater durch frische Perspektiven und Neutralität wertvolle Impulse liefern. Gleichzeitig ist Gelassenheit und innere Sicherheit essenziell, um Organisationen sicher durch Veränderungsprozesse zu begleiten. Besonders spannend: Die interne Politik wird häufig unterschätzt. Sie kann Veränderungsinitiativen ausbremsen oder sie vorantreiben. Hier zeigt sich, wie wichtig soziale Verantwortung, gemeinsame Werte und Vertrauen sind.

 

Digitale Transformation & KI: Neue Wege, neue Verantwortung

Ein weiterer Schwerpunkt der Episode liegt auf der Frage, wie sich Organisationen im Zuge der Digitalisierung und dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz neu ausrichten müssen. Sie unterstreicht, dass bereits kurzfristig Veränderungen durch KI möglich sind. Dafür braucht es jedoch strategische Anpassungen, Verantwortungsbewusstsein im Management und Mut, neue Wege zu gehen. 

Was erfolgreiche Transformation ausmacht

Die Podcast-Folge bietet zahlreiche Takeaways rund um Change Management, Leadership und Organisationsentwicklung. Einige wichtige Erkenntnisse:

 

  • Veränderung ist notwendig, um langfristig zu bestehen.
  • Klare Ziele und eine stimmige Transformationsarchitektur sind entscheidend.
  • Führungskräfte tragen Verantwortung – für Strategie, Menschen und Kultur.
  • Externe Beratung bringt Struktur und neue Perspektiven.
  • Ganzheitliche Sichtweisen ermöglichen nachhaltige Veränderung.
  • Politische und organisatorische Rahmenbedingungen müssen mitwachsen.
  • Fehler dürfen passieren – ohne Mut kein Lernen.

 

Fazit: Zuhören lohnt sich

Wer wissen möchte, wie Unternehmen den Wandel aktiv gestalten können, welche Rolle KI und Digitalisierung spielen und worauf es im Change Management wirklich ankommt, sollte diese Episode nicht verpassen.

 

Jetzt reinhören (Zur Episode im TransformationsTheater Podcast) und Inspiration für die eigene Transformation mitnehmen!

 

Haben Sie Fragen zur Episode oder möchten Impulse für Ihren Veränderungsprozess? Wir freuen uns auf den Austausch!

Chance oder Risiko: die neuen Entgelttransparenz-Regeln zwingen Unternehmen zum Handeln

Entgelttransparenz erfordert Vergleichbarkeit. Sind Ihre organisationalen Strukturen darauf vorbereitet? Sie benötigen in Ihrer Organisation Transparenz in den Aufgaben, der Verantwortungsverteilung sowie den dafür notwendigen Kompetenzen. Sollten Sie diese Frage mit nein beantwortet haben, dann sind Sie zum Handeln gezwungen. Nutzen Sie die Entgelttransparenzregelung sowie -gesetzgebung als Chance: Räumen Sie Ihre Strukturen auf.

Die Diskussion um faire Vergütung ist nicht neu, aber die EU-Entgelttransparenzrichtlinie (2023/970/EU) bringt eine neue Dynamik in das Thema.

Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie verpflichtet die deutsche Politik dazu, die neuen Vorgaben bis spätestens 7. Juni 2026 in nationales Recht zu übertragen. Diese Frist richtet sich eindeutig an den deutschen Gesetzgeber: Die Bundesregierung und der Bundestag müssen das bestehende Entgelttransparenzgesetz überarbeiten oder neugestalten, sodass alle Anforderungen der Richtlinie rechtsverbindlich im deutschen Recht verankert sind. Erst wenn diese Umsetzung erfolgt ist, greifen die neuen Verpflichtungen für Unternehmen.

Für Arbeitgeber bedeutet das: Ab dem Zeitpunkt, an dem Deutschland die Richtlinie in Gesetzesform gegossen hat, wird Transparenz zur Pflicht. Unternehmen müssen dann die erweiterten Auskunftsrechte, die Offenlegung objektiver Entgeltkriterien, die verpflichtenden Berichte für größere Arbeitgeber sowie die neuen Vorgaben zu Stellenausschreibungen und Bewerbungsverfahren erfüllen. Sie können sich also nicht auf die EU-Frist selbst berufen, sondern müssen handeln, sobald das überarbeitete deutsche Gesetz in Kraft tritt.

Jedem sollte an dieser Stelle bewusst sein, dass eine strukturelle Veränderung nicht über Nacht realisierbar ist, sondern seine Zeit braucht. Somit sollten Sie nicht warten, bis sich der Gesetzgeber konkret entschieden hat, sondern bereits heute alles darauf vorbereiten, den Grundgedanken dieser Regelungen zu erfüllen. Und das bedeutet Vergleichbarkeit im Entgelt.

Was Unternehmen konkret erwartet

  • Gehaltsoffenlegung im Recruiting: Einstiegsgehalt oder Gehaltsspanne müssen in Stellenanzeigen oder vor dem ersten Gespräch genannt werden. Fragen nach dem bisherigen Gehalt sind verboten.
  • Auskunftsanspruch für Beschäftigte: Alle Mitarbeitenden können Vergütungskriterien und Durchschnittsgehälter vergleichbarer Positionen einsehen.
  • Berichtspflichten ab 100 Mitarbeitenden: Regelmäßige Entgeltberichte inklusive Gender Pay Gap und Gleichstellungsmaßnahmen; Abweichungen über 5 Prozent erfordern Korrekturmaßnahmen.
  • Beweislastumkehr bei Streitfällen: Das Unternehmen muss sachliche Rechtfertigungen vorlegen.
  • Sanktionen: Bußgelder, Schadensersatzansprüche und Ausschluss von öffentlichen Aufträgen sind möglich.

All dies kann eine Chance zur kompletten Neuaufstellung der Organisation sein. Denn was bedeutet das im Detail: Stellen müssen vergleichbar sein. Es sollten in den Stellen die notwendigen Kompetenzen zu denen zu erfüllenden Aufgaben passen. Dazu braucht es Flexibilität, denn die Organisationen und Aufgaben verändern sich durch Automatisierung und KI gerade signifikant. Somit ist das Risiko unfassbar hoch, wenn sie die Aufgaben der Organisationsstrukturierung jetzt nicht angehen.

Und es braucht seine Zeit, denn zum einen müssen die Prozesse bis auf Ebene der Arbeitsschritte durchgängig definiert und idealerweise für ein Sollzustand auch eingeführt sein. Aus diesen Aufgaben ergeben sich die jeweiligen Prozessrollen, die dann integriert werden müssen. Und dann geht es um die Einschätzung des Gehaltsniveau für die jeweilige Stelle beziehungsweise Planstelle.

Hierzu müssen die Führungskräfte in die Veränderung integriert werden ebenso wie die Arbeitnehmervertretung und die Mitarbeitenden. Die bestehenden Strukturen müssen bewertet werden. Es braucht eine saubere Vorgehensarchitektur, um alle Anspruchsgruppen angemessen einzubinden und damit eine Akzeptanz zu finden. Jeder, der schon mal Betriebsrats-Verhandlung mitgemacht hat weiß, das kann dauern. Dies gilt auch für tarifgebundene Unternehmen, denn in vielen der Tarifverträge sind die Gehaltsspannen in den einzelnen Gehaltsstufen größer als 5%.

Warum das mehr ist als Compliance

Transparenz funktioniert nur, wenn die interne Struktur stimmt. Drei Voraussetzungen sind entscheidend:

  • Vergleichbare Stellen: Rollen und Stellenprofile müssen vergleichbar und dokumentiert sein.
  • Objektive Vergütungskriterien: Leistungsparameter und Bewertung müssen geschlechtsneutral und nachvollziehbar sein.
  • Klare Rollen und Verantwortlichkeiten: Zuständigkeiten für Entgeltentscheidungen und Prüfprozesse müssen definiert sein.

Fehlen diese Grundlagen, entstehen Inkonsistenzen, verstärkte Rechtsrisiken und ein Reputationsproblem.

Unser Beratungsfahrplan
  1. Analyse der Organisation
    Bestandsaufnahme von Stellenprofilen, Vergütungslogiken und Reportingfähigkeiten.
  2. Definition eines Zielbildes
    Entwicklung eines strukturellen Zielmodells, das Transparenzanforderungen integriert.
  3. Entwicklung eines Maßnahmenkatalogs
    Priorisierte Maßnahmen für Stellenklassifikation, Kriterienentwicklung und Reporting.
  4. Umsetzung und Change
    Einführung, interne Kommunikation und Schulung; Implementierung der Berichtsläufe.
Mini Case Kurzbeispiel

Ein mittelständisches Unternehmen mit 150 Mitarbeitenden stellte bei einer Erstprüfung inkonsistente Stellenbeschreibungen und fehlende Vergütungskriterien fest. Durch ein Projekt zur Einführung von Geschäftsprozessmanagement zur eindeutigen Aufgaben- und Verantwortungsverteilung wurden die Stellen harmonisiert und die Bewertungskriterien konnten standardisierte werden. Daraufhin war ein einfaches Reporting möglich, so dass zu große Diskrepanzen innerhalb eines Jahres auf unter 3 Prozent gesenkt werden konnten.

Nutzen für Unternehmen

  • Rechtssicherheit durch proaktives Handeln.
  • Attraktivität als Arbeitgeber durch sichtbare Fairness.
  • Betriebliche Stabilität durch klare Strukturen und weniger Konflikte.

 

Sind Ihre Strukturen bereit für die neuen Regeln? Kontaktieren Sie uns für einen schnellen Check Ihrer Organisation und ein individuelles Maßnahmenpaket. 

Bild von Niklas Rakoswskio zur Kolumne Aus dem Leben eines Beraters

Projekttermine ohne Beteiligung: und jetzt?

„Wenn so viele kurzfristig absagen, dann müssen wir den Termin absagen.“

Diese Aussage fiel in einem der regelmäßigen Projekttermine zwischen mir und einer Projektleiterin. Und sie kam nicht überraschend. Der Termin mit dem Projektkernteam stand kurz bevor, und immer mehr Absagen landeten in ihrem Postfach. Irgendwann war nur noch eine einzige Zusage übrig.

Worum es eigentlich ging 

Das Projektkernteam bestand aus Führungskräften und Verantwortlichen. Menschen, die mit ihrer Beteiligung nicht nur Entscheidungen vorantreiben sollten, sondern auch das Projekt selbst mittragen. Ihre Anwesenheit war nicht symbolisch, sondern substanziell wichtig. Und doch war dieser Termin in Gefahr, wie schon viele zuvor.

Die Absagen kamen zahlreich, und jede einzelne bedeutete Stillstand. Denn Projektkernteam-Meetings waren nicht wöchentlich angesetzt. Wenn eines ausfiel, vergingen schnell mehrere Wochen bis zur nächsten Gelegenheit. Informationen gingen verloren. Themen mussten wiederholt werden. Die Beteiligten verloren Anschluss oder Motivation. Die Projektleiterin war sichtlich verunsichert. Ihre Reaktion: „Dann sagen wir eben ab. Macht ja keinen Sinn.“ Ein nachvollziehbarer Gedanke. Aber war er auch der richtige?

Statt Absage: Raum für Perspektivwechsel 

Ich schwieg zunächst. Nicht aus Ratlosigkeit, sondern weil ich überlegte, was diese Entscheidung für Auswirkungen haben würde.

Was passiert mit der einen Person, die zugesagt hat?
Was signalisiert die Absage dem Projektteam?
Wie wirkt es, wenn immer wieder Termine verschoben oder gestrichen werden?

Ich stellte schließlich die Frage: „Nur mal angenommen, wir würden es nicht absagen …“

Ab diesem Moment war Raum da. Raum für Alternativen. Für Gestaltung. Für einen anderen Weg.

Die Intervention: Einfach machen 

Wir entschieden uns, das Meeting durchzuführen. Mit einer Person. Nicht als Notlösung, sondern als bewusst gesetzter Arbeitstermin. Es wurde konkret, individuell, konstruktiv. Und noch mehr: Die Zeit bis zum nächsten regulären Projektkernteam-Termin nutzten wir für Einzelgespräche. Statt auf eine volle Runde zu warten, suchten wir gezielt den Austausch mit Beteiligten.

Das Ergebnis:

  • Das Projekt blieb in Bewegung
  • Themen wurden weiterbearbeitet
  • Beteiligung entstand im Kleinen
  • Und das Signal war klar: Dieses Projekt wird nicht gestoppt, nur weil andere nicht teilnehmen
Was wir gewonnen haben 

Die Entscheidung, nicht abzusagen, hatte mehrere positive Effekte. Wir gewannen:

  • Zeit für das Projekt
  • Nähe zu den Beteiligten
  • Verbindlichkeit im Handeln
  • Klarheit im Signal: Es geht weiter, auch wenn nicht alle dabei sind

Manchmal reicht eine kleine Entscheidung, um den Unterschied zu machen. Und manchmal ist der Perspektivwechsel genau das, was ein Projekt wieder in den Tritt bringt.

Theoretischer Hintergrund 

Organisationen neigen dazu, in vorgefertigten Mustern zu denken. Wenn ein Termin mit geringer Beteiligung droht, wird er abgesagt. Das erscheint vernünftig, ist aber nicht immer wirksam. Hier greift ein Prinzip aus dem lösungsorientierten Arbeiten: Möglichkeitsräume öffnen. Indem wir die gewohnte Logik hinterfragen, entsteht Raum für Alternativen. Und genau in diesen Räumen liegt oft der größte Hebel für Bewegung. Die Entscheidung, einen Termin dennoch stattfinden zu lassen, kann mehr bewirken als jede detaillierte Projektplanung. Sie schafft Verbindlichkeit, Präsenz und Vertrauen in die gemeinsame Arbeit.

Ihr Niklas Rakowski
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Über diese Kolumne
In unserer Reihe „Aus dem Leben eines Beraters“ geben unsere Beratenden persönliche Einblicke in ihren Arbeitsalltag. Sie schildern konkrete Situationen, Herausforderungen und Erfahrungen aus Projekten – und zeigen, wie sie diese im Sinne unserer Kunden gemeistert haben.

👉 Zum Beraterprofil von Niklas Rakowski

Transformation Stadtwerke

VKU-Stadtwerkekongress 2025: Zukunft entsteht dort, wo Entscheider heute den Mut haben, ihre Organisation neu zu denken

Der  VKU Stadtwerkekongress 2025 in Mainz hat einmal mehr gezeigt: Die Herausforderungen für kommunale Unternehmen sind enorm. Digitalisierung, Fachkräftemangel, Energiewende und dazu kommt: 80 % der Stadtwerke sehen Personal und Ressourcen als größtes Hemmnis.

Gleichzeitig ist Künstliche Intelligenz das große Thema. Viele Stadtwerke fragen sich, wie sie diese Technologie sinnvoll einsetzen können. Doch bevor neue Tools eingeführt werden, sollte eine zentrale Frage im Mittelpunkt stehen:

Wie muss unsere Organisation in Zukunft aufgestellt sein, um handlungsfähig zu bleiben?

Dafür braucht es ein gemeinsames Verständnis über alle Ebenen und Akteure hinweg: Kommune, Partnergesellschaften, IT, Fachbereiche – alle müssen am selben Strang ziehen und wissen, warum sie diesen Weg gehen.

Was ist der Auslöser für die Veränderung? Was ist das Zielbild? Und: Was macht unsere Organisation langfristig erfolgreich?

Der Veränderungsprozess beginnt bei der obersten Führungsebene. Nur wenn hier Klarheit herrscht, kann sich die Organisation als Ganzes bewegen.

Dabei gilt: Niemand muss diesen Weg allein gehen. Gerade in komplexen Veränderungsvorhaben braucht es einen Partner an der Seite, der mit einem neutralen Blick von außen, kritischen Fragen und fundierter Kompetenz hilft,

  • Prioritäten richtig zu setzen,
  • Abhängigkeiten zu erkennen
  • und die Umsetzung Schritt für Schritt erfolgreich zu gestalten.

Die Antworten liegen nicht in noch mehr Maßnahmen, sondern in einer klaren Organisationsstrategie! Ein halber Tag Rückzug im kleinen Kreis der Geschäftsführung kann der erste Schritt sein:

  • Szenarien diskutieren
  • Grobe Architektur entwickeln
  • Zukunft aktiv gestalten

Organisationsentwicklung ist keine theoretische Übung: Sie ist Chefsache, Gemeinschaftsaufgabe und Zukunftsarbeit zugleich. Gerne stehen wir dabei an Ihrer Seite.

Bild von Beraterin Stefanie Gutfrucht processline

Wenn Projekte untertauchen: Warum U-Boot-Projekte Unternehmen schwächen und was dagegen hilft

In der Kick-Off-Veranstaltung einer neu zusammengestellten Projektgruppe ging es kurz vor der Schlussrunde um die anstehende Zeitplanung und die dafür benötigten Kapazitäten. Bei nahezu allen Teilnehmenden war eine große Zurückhaltung zu spüren, sich auf fest vereinbarte Regeltermine zu einigen.

Die Besprechung war fast vorbei, als jemand leise sagte: „Ich habe keine Kraft, in dieses Projekt voll einzusteigen, weil es sicher bereits ein U-Boot-Projekt gibt, das schon weiter fortgeschritten ist.“

Ein Satz, der im Raum hängen blieb. Und der mehr über die Kultur eines Unternehmens verrät als jede PowerPoint-Folie.

Flurfunk statt offener Kommunikation

Oft haben Mitarbeitende – in bester Absicht – innerhalb bestehender Strukturen nicht von bereits vorhandenen Lösungen erfahren oder bei der Entwicklung neuer Ansätze zu wenig Unterstützung erhalten. Also haben sie selbst Initiative ergriffen und „Dinge in die Hand genommen“:

In vielen Organisationen gibt es sie: Projekte, die niemand offiziell kennt, die aber trotzdem laufen. Inoffiziell, unterhalb des Radars, initiiert von Einzelnen oder kleinen Gruppen. Mal im Flur besprochen, mal zwischen Teams abgestimmt, aber nie offen verankert. Solche sogenannten U-Boot-Projekte entstehen oft aus Frustration über langwierige Prozesse oder aus dem Gefühl heraus, dass in der offiziellen Struktur keine Unterstützung zu erwarten ist. Also machen sich Mitarbeitende selbst auf den Weg. 

Wer mitgestalten will, wer Ideen hat und Verantwortung übernimmt, handelt aus einem positiven Impuls. Doch genau hier liegt auch die Schwierigkeit: Wenn solche Initiativen nicht sichtbar sind, fehlt ihnen der Kontakt zur Gesamtorganisation. Strategische Entscheidungen, Ressourcenverteilung oder bestehende Projekte werden nicht berücksichtigt – schlicht, weil niemand davon weiß.

Warum U-Boot-Projekte für Unternehmen gefährlich werden können 

Die Risiken sind erheblich, vor allem, wenn solche Projekte unentdeckt bleiben oder scheitern:

  • Blindflug: Strategische Ziele, Rahmenbedingungen oder wichtige Informationen fehlen oft. Die Lösung passt nicht zur Gesamtstrategie oder ist schlicht nicht umsetzbar.
  • Ressourcenverpuffung: Zeit, Energie und Motivation versickern in Projekten ohne klare Perspektive.
  • Projektmüdigkeit: Wenn informelle Projekte scheitern, bleibt Frust. Die Beteiligten ziehen sich zurück mit dem Gefühl: „Es bringt ja eh nichts.“
  • Misstrauen statt Zusammenarbeit: Offizielle Teams fühlen sich übergangen oder unterwandert. Das schadet der Zusammenarbeit.
Warum diese Projekte trotzdem wichtig sind?

Trotz all dieser Risiken lohnt sich ein zweiter Blick. Denn U-Boot-Projekte sind nicht einfach nur ein Problem: sie sind auch ein Signal. Sie zeigen, dass in der Organisation Menschen unterwegs sind, die gestalten wollen. Dass es Energie, Ideen und Veränderungswillen gibt. Nur eben keinen sichtbaren Raum dafür.

Gerade in stark regulierten oder hierarchischen Organisationen können U-Boot-Projekte auch Hinweise darauf geben, wo bürokratische Strukturen Innovation verhindern oder Entscheidungswege zu unflexibel sind. Sie machen deutlich, wo Mitarbeitende Freiräume suchen und sie sich zur Not selbst schaffen.

Was Unternehmen tun können – und müssen?

Der konstruktive Umgang mit U-Boot-Projekten beginnt mit einer Grundhaltung: Offenheit statt Kontrolle, Dialog statt Sanktion. Diese Elemente sind entscheidend:

  • Transparenz ermöglichen
    Es braucht Räume, in denen Ideen frühzeitig sichtbar und besprechbar werden, ohne Risiko für die Beteiligten.
  • Projektlandschaften offen kommunizieren
    Wer weiß, was schon läuft, muss nicht doppelt anfangen.
  • Psychologische Sicherheit stärken
    Mitarbeitende müssen die Erfahrung machen: Es lohnt sich, Dinge offen anzusprechen, auch wenn sie noch nicht fertig oder offiziell sind.
  • Potenziale erkennen und integrieren
    Gute Ideen brauchen nicht nur Zustimmung, sondern Struktur. Wenn U-Boot-Projekte etwas bewegen, sollten sie in offizielle Prozesse überführt werden.
  • Genau hinhören – gerade bei den Stillen
    Nicht alle Innovation beginnt laut. Manche Veränderung wächst leise
Fazit: Zwischen Innovationsimpuls und Organisationsrisiko

U-Boot-Projekte sind kein Einzelfall, sondern ein weitverbreitetes Phänomen, besonders dort, wo Innovationsfreude und Bürokratie regelmäßig aufeinandertreffen. Für Unternehmen sind sie Chance und Warnsignal zugleich: Sie zeigen, wo Engagement entsteht und wo es versickert. Sie verweisen auf Energiequellen und auf strukturelle Schwächen.

Wer hinsieht, zuhört und integriert, kann aus verdeckten Initiativen echten Wandel machen. Wer wegsieht, riskiert Frust, Ressourcenverluste und kulturelle Erosion. In beiden Fällen gilt: Was unter der Wasseroberfläche geschieht, entscheidet mit über den Kurs der Organisation.

Ihre Stefanie Gutfrucht
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Über diese Kolumne
In unserer Reihe „Aus dem Leben eines Beraters“ geben unsere Beratenden persönliche Einblicke in ihren Arbeitsalltag. Sie schildern konkrete Situationen, Herausforderungen und Erfahrungen aus Projekten – und zeigen, wie sie diese im Sinne unserer Kunden gemeistert haben.

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