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Liefertreue retten in der Krise: Von 40 auf über 80 Prozent in 9 Monaten.

01.06.2026

Nach einem ERP-Systemwechsel fiel die Liefertreue bei einem Automobilzulieferer auf unter 40 Prozent. Ein Zustand, der in dieser Branche schnell existenzbedrohend werden kann. Täglich änderten sich die Prioritäten. Kunden riefen an, kennzeichneten ihre Lieferungen als dringend und erwarteten am nächsten Tag Ergebnisse. Die Lage war angespannt, die Übersicht verloren. Also wurde ein tägliches Steuerungsmeeting eingeführt, ergänzt um eine wöchentliche Planung. Ziel war es, Struktur zurückzugewinnen, Prioritäten gemeinsam abzustimmen und Entscheidungen schneller zu treffen. Ich begleitete diesen Prozess, half bei der Datenaufbereitung und moderierte die ersten Meetings. Dabei fiel mir etwas auf: Niemand schrieb mit.

Ein kleiner Impuls mit großer Wirkung für die Liefertreue

Ich sprach den Chef darauf an. Seine Reaktion: sofortiges Handeln. Bereits im nächsten Meeting standen Schreibbretter und Unterlagen bereit. Was vorher in der Hektik unterging, wurde durch eine einfache Frage sichtbar und sofort geändert. Es braucht oft nicht viel: manchmal reicht ein neutraler Blick von außen, um festgefahrene Muster aufzubrechen.

Raum als Organisationsressource

Im weiteren Verlauf zeigte sich ein weiteres Muster: Die Wege zwischen Vertriebsinnendienst, Produktionsplanung, Arbeitsvorbereitung und Produktionsleitung waren weit. Die räumliche Distanz spiegelte sich in der Prozessqualität wider. Entscheidungen brauchten zu lange, Rückfragen verliefen ins Leere, Schnittstellen waren träge. Dabei stand direkt neben der Produktion ein großer Raum mit Fenster – ungenutzt. Ich stellte eine einzige Frage: „Warum sitzt hier niemand, der zur Produktion gehört?“ Kurz darauf wurde der Raum umgewidmet. Die neue Nähe brachte kürzere Wege, bessere Abstimmung und spürbare Entlastung im Alltag.

Sichtbarkeit schafft Veränderung

Beide Beispiele zeigen, wie viel Wirkung von kleinen Interventionen ausgehen kann:

  • Meetings wurden fokussierter und besser dokumentiert
  • Wege wurden kürzer, Kommunikation direkter
  • Entscheidungen wurden schneller getroffen

Zwei Beispiele aus vielen weiteren kleinen und größeren Änderungen. Die Folge: Innerhalb weniger Wochen verbesserte sich die operative Steuerung. Und nach etwa neun Monaten lag die Liefertreue wieder stabil bei über 80 Prozent.

Theoretischer Hintergrund: Fragen statt Vorgaben

Organisationen funktionieren oft nach dem Prinzip der Selbstorganisation. Doch sie benötigen Impulse von außen, um sich aus gewohnten Mustern zu lösen. Es braucht die Analyse der aktuellen Situation und Organisation aus den verschiedenen Perspektiven sowie tiefergehende Fragen, um Impulse zu geben und Interventionen zusetzen, um direkte Veränderungen im operativen zu erzeugen:

  • Was fällt im Alltag nicht mehr auf?
  • Welche Routinen sind hinderlich geworden?
  • Welche Ressourcen sind eigentlich schon da, aber ungenutzt?

Die Identifikation der konkret notwendigen Handlungsfelder ist manchmal nur eine Frage von der Lösung entfernt. Gerade in scheinbar banalen Details liegen oft große Hebel für Veränderung.

Ihre Jennifer Reckow
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Über diese Kolumne
In unserer Reihe „Aus dem Leben eines Beraters“ geben unsere Beratenden persönliche Einblicke in ihren Arbeitsalltag. Sie schildern konkrete Situationen, Herausforderungen und Erfahrungen aus Projekten und zeigen, wie sie diese im Sinne unserer Kunden gemeistert haben.

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