KI-Effizienz sichtbar machen: Lassen Sie uns doch einfach messen.
Was eine kurze Frage auslösen kann – und wie ein Perspektivwechsel echte Effizienz mit KI sichtbar macht.
Wenn KI im Raum steht, landen viele Gespräche schnell bei Tools, Hype oder Skepsis. In einem Kundentermin hat nicht „noch-ein-Vortrag“ überzeugt, sondern eine kurze Frage – und ein einfacher Messansatz. Das Ergebnis: weg von „KI = Texte“, hin zu einem konkreten Effizienzhebel im Tagesgeschäft.
Ich war im Gespräch mit einem Kunden, dessen Unternehmensleitung für das kommende Jahr ein klares Ziel formuliert hatte: Effizienzsteigerung durch KI. Klingt greifbar – ist es im Alltag aber oft nicht. Denn sobald wir über KI sprechen, tauchen schnell Sätze auf wie:
„KI kann doch vor allem Texte schreiben.“
„Unpersönliche Mails sparen uns keine Zeit.“
Ich merkte: Mein Gegenüber war nicht „dagegen“. Eher vorsichtig – und geprägt von einem Mindset, dass ich häufig sehe: KI als „die nächste IT-Lösung“, die eingeführt, betrieben und administriert werden muss. Parallel gab es bereits interne Programme, die KI in die Organisation bringen sollten. Der Schwerpunkt lag jedoch eher auf dem Umgang mit dem ausgewählten Tool – weniger auf den Möglichkeiten und schon gar nicht auf der Lust, Dinge niedrigschwellig auszuprobieren. Und genau dafür fehlten auch Zeit und Raum: Das operative Geschäft war drängender. Also habe ich bewusst darauf verzichtet, noch mehr Wissen zu vermitteln. Nicht weil es unwichtig wäre – sondern weil es in diesem Moment nicht der Engpass war.
Manchmal ist nicht Wissen der Engpass, sondern Zeit und Raum für kurze Interventionen.
Intervention
Stattdessen machte ich einen einfachen Vorschlag: „Lassen Sie uns doch einfach in einem Ihrer relevanten Prozesse messen, welches Effizienzpotenzial durch KI möglich wäre.“ Man zögerte, dachte nach – und ich legte nach: „Nicht theoretisch. Nehmen wir einen Prozess, der heute wirklich Zeit frisst. Wir messen den Ist‑Aufwand, identifizieren 1–2 KI‑Hebel und schätzen das Potenzial. Dann entscheiden Sie auf Basis von Zahlen.“
In dem Moment verschob sich das Gespräch spürbar: weg von Grundsatzdebatten, hin zu echter Arbeit. Wir sprachen über wiederkehrende Tätigkeiten, Abstimmungsschleifen, Informationssuche, Dokumentation, Übergaben – also über genau die Stellen, an denen Effizienz im Alltag gewonnen oder verloren wird.
Der Messansatz brachte drei Faktoren ins Spiel, die die Skepsis zuverlässig reduzieren:
- Greifbarkeit: KI wurde nicht mehr als abstrakte Technologie diskutiert, sondern als Unterstützung in einem konkreten Prozess.
- Entscheidungsfähigkeit: Statt „Glaubensfragen“ gab es eine sachliche Grundlage – Aufwand, Nutzen, Grenzen.
- Einstieg ohne Overhead: Kein Großprojekt, sondern ein kleiner, kontrollierter Schritt mit klarem Fokus.
Und oft ist genau das der Kipppunkt: Wenn Menschen den Nutzen im eigenen Kontext sehen, entsteht Bereitschaft. Nicht durch Überzeugung, sondern durch Erfahrung.
Die Intervention folgt einem Prinzip, das in der Veränderungsarbeit immer wieder funktioniert: Evidence beats opinions. Menschen ändern ihre Haltung selten durch mehr Informationen – sondern durch erlebte Wirksamkeit. Kleine Experimente („safe-to-try“), klare Messgrößen und ein realer Anwendungsfall schaffen psychologische Sicherheit und reduzieren Komplexität. So wird aus „KI als Tool“ ein Hebel im Wertstrom. Mein Learning: Manchmal braucht es keinen Vortrag. Und manchmal reicht auch eine praktische Frage und eine kleine Aufforderung: „Lassen Sie es uns doch einfach messen.“
Ihr Florian Weiß
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Über diese Kolumne
In unserer Reihe „Aus dem Leben eines Beraters“ geben unsere Beratenden persönliche Einblicke in ihren Arbeitsalltag. Sie schildern konkrete Situationen, Herausforderungen und Erfahrungen aus Projekten und zeigen, wie sie diese im Sinne unserer Kunden gemeistert haben.
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