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Schlagwort: Entscheidungen

Wenn gute Workshops schon vor dem Workshop beginnen

Viele unserer Kunden kommen zu uns, wenn wichtige Entscheidungen anstehen. Prozesse sollen neu gestaltet werden, Verantwortlichkeiten verändert oder nächste Schritte in einer Transformation festgelegt werden. Häufig ist ein Workshop der Moment, in dem diese Themen gemeinsam diskutiert und entschieden werden. Von außen sieht man meist nur den eigentlichen Termin: Menschen sitzen zusammen, diskutieren, entwickeln Ideen und treffen Entscheidungen. Was dabei oft unsichtbar bleibt: Wie viel von der Qualität eines Workshops bereits lange vor dem ersten Gespräch im Raum entschieden wird.

Die Perspektive hinter den Kulissen

Als Assistenz in einer Unternehmensberatung begleite ich Projekte aus einer Perspektive, die häufig im Hintergrund bleibt – an den Schnittstellen zwischen Geschäftsführung, Consultants, Projektteams und Kunden. Gerade dort wird deutlich, wie viele Zahnräder ineinandergreifen müssen, damit ein Workshop beim Kunden wirklich Wirkung entfalten kann. Denn ein erfolgreicher Workshop entsteht nicht zufällig. Er ist das Ergebnis eines Zusammenspiels verschiedener Rollen. Die inhaltliche Konzeption, die Struktur der Diskussionen und die Moderation liegen bei den Consultants. Gleichzeitig braucht diese inhaltliche Arbeit einen organisatorischen Rahmen, der sie unterstützt. Erst wenn beide Ebenen – Inhalt und Organisation – gut ineinandergreifen, kann ein Workshop seine volle Wirkung entfalten.

Vorbereitung entscheidet über die Wirkung

In vielen Organisationen sind Workshops ein wichtiges Instrument, um gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Gleichzeitig kennen viele Führungskräfte auch die andere Seite: Termine, die zu lange dauern, Diskussionen, die sich im Kreis drehen oder Ergebnisse, die später noch einmal überarbeitet werden müssen. Ein großer Teil dieser Dynamik hat weniger mit den Menschen im Raum zu tun – sondern mit der Vorbereitung davor. In unserer Arbeit achten wir deshalb bewusst darauf, dass ein Workshop nicht erst mit der Moderation beginnt, sondern mit einer klaren Struktur im Hintergrund. Während die Consultants die inhaltliche Struktur, Leitfragen und Moderationsformate entwickeln, entsteht parallel der organisatorische Rahmen: Teilnehmerkreis, Agenda Abstimmung, Informationsfluss, Logistik und Ablauf. Beides ergänzt sich. Und erst dieses Zusammenspiel sorgt dafür, dass ein Workshop nicht nur gut geplant, sondern auch wirksam durchgeführt werden kann.

Die richtigen Fragen vor dem Workshop

Eine gute Vorbereitung beginnt oft mit einigen sehr grundlegenden Fragen:

/ Wer sollte wirklich im Raum sein?

/ Wer bringt Fachwissen ein?

/ Wer trifft Entscheidungen?

/ Wer sollte zumindest informiert sein?

Ebenso wichtig ist die Agenda:

/ Welche Fragen sollen tatsächlich geklärt werden?

/ Welche Informationen brauchen die Teilnehmenden vorab?

/ Und wie viel Zeit ist realistisch, damit Diskussionen auch zu Ergebnissen führen können?

Oft geht es dabei um scheinbar kleine Dinge: abgestimmte Unterlagen, eine klare Zielsetzung, eine nachvollziehbare Zeitstruktur oder vorab geklärte Verantwortlichkeiten.

Für die Teilnehmenden wirkt der Workshop später einfach gut organisiert. Für uns ist er das Ergebnis einer bewussten Vorbereitung.

Der organisatorische Rahmen für wirksame Workshops

Neben der inhaltlichen Vorbereitung spielen auch organisatorische Details eine größere Rolle, als man auf den ersten Blick vermuten würde.

Ein Raum, der zur Gruppengröße passt. Eine funktionierende technische Ausstattung. Materialien, die bereitliegen. Eine Raumstruktur, die Zusammenarbeit ermöglicht. Und nicht zuletzt eine gute Verpflegung, die dafür sorgt, dass Energie und Konzentration über mehrere Stunden erhalten bleiben.

Diese Faktoren ersetzen keine gute Moderation – aber sie unterstützen sie. Sie schaffen ein Umfeld, in dem sich die inhaltliche Arbeit eines Workshops entfalten kann.

Ein Beispiel aus unserem Projektalltag

In einem Transformationsprojekt wurde kurzfristig ein Workshop angesetzt. Mehrere Führungskräfte des Kunden sollten dafür zu uns ins Haus kommen – und innerhalb weniger Tage musste alles vorbereitet werden. Während die Consultants gemeinsam mit dem Kunden die inhaltliche Zielsetzung, die Agenda und die Moderationsstruktur des Workshops entwickelten, liefen parallel viele organisatorische Schritte im Hintergrund. Ein geeigneter Raum musste reserviert werden. Präsentationstechnik und Moderationsmaterial mussten bereitstehen. Unterlagen wurden vorbereitet und verteilt. Auch Verpflegung, Pausenplanung und die räumliche Gestaltung mussten organisiert werden. Gerade bei kurzfristigen Terminen zeigt sich, wie wichtig dieses Zusammenspiel ist.

Während die Consultants den Workshop fachlich gestalten und moderieren, sorgt die organisatorische Vorbereitung dafür, dass der Rahmen stimmt – und sich alle Beteiligten auf die Diskussion konzentrieren können. Für die Teilnehmenden wirkt der Workshop dann oft einfach professionell vorbereitet. Tatsächlich ist er das Ergebnis eines eng abgestimmten Zusammenspiels von inhaltlicher Konzeption und organisatorischer Umsetzung.

Struktur schafft Klarheit im Workshop

Die Wirkung zeigt sich meist sehr schnell. Diskussionen bleiben fokussierter. Entscheidungen können schneller getroffen werden. Und die Teilnehmenden haben das Gefühl, dass ihre Zeit sinnvoll genutzt wurde. Gerade in Transformationsprojekten ist das entscheidend. Wenn viele Themen gleichzeitig laufen und Führungskräfte stark eingebunden sind, wird Zeit zu einer der wichtigsten Ressourcen. Ein gut vorbereiteter Workshop entsteht deshalb nicht allein durch ein gutes Konzept oder eine gute Organisation – sondern durch das Zusammenspiel von beidem.

Gute Beratung beginnt oft im Hintergrund

Ein Satz begleitet mich in meiner Arbeit besonders: Struktur ist kein Selbstzweck. Sie ist die Voraussetzung dafür, unter Druck handlungsfähig zu bleiben.

Was im Workshop sichtbar wird, hat seinen Ursprung oft in der Arbeit davor: in klaren Informationen, abgestimmten Erwartungen und einer guten internen Organisation.

Denn Beratung ist immer Teamarbeit – intern wie extern. Strategien entstehen im Dialog mit dem Kunden. Doch die Verlässlichkeit, die Kunden in Projekten erleben, entsteht häufig im Zusammenspiel von inhaltlicher Arbeit und den Strukturen dahinter. Und genau dort beginnt für herausragende Beratung.

 

Ihre Jennifer Özkan

Holger Lehmann Kolumne aus dem Leben eines Beraters

„Ich muss hier alles machen!“ – Wenn der Chef zum Engpass wird

„Herr Lehmann, ich muss hier alles machen.“

Dieser Satz fiel mitten im Gespräch. Nicht resigniert, sondern erschöpft.
Der Geschäftsführer hatte genug und war gleichzeitig Teil des Problems. Und das wusste er auch.

Ein vertrautes Muster – mit ungeahnten Folgen

In einem Projekt lernte ich einen Geschäftsführer kennen, der aus dem eigenen Unternehmen in die Führungsrolle hineingewachsen war. Rund 100 Mitarbeitende zählte die Organisation inzwischen.
Was ihn zunehmend belastete, war nicht das Wachstum, sondern die Art, wie gearbeitet wurde.

„Ich werde mit jeder Entscheidung, jeder Frage, jeder Unsicherheit konfrontiert. Und dann übernehme ich es auch noch.“

Was er beschrieb, war kein Einzelfall, sondern ein organisationales Muster.
Sein Vorgänger hatte die Mitarbeitenden stark entlastet, vieles selbst übernommen, vieles selbst entschieden. Die Organisation hatte gelernt: Verantwortung geht nach oben.
Und obwohl der neue Geschäftsführer das erkannt hatte, fand er keinen Ausweg. Zu groß war die Sorge, Mitarbeitende könnten sich zurückgestoßen fühlen. Zu stark der Wunsch, die familiäre Kultur zu bewahren.

Der Coachingprozess: Entlastung durch Klarheit

Im Coaching sprachen wir darüber, welche Erwartungen, Ängste und inneren Haltungen ihn leiteten.

  • Was befürchtet er, wenn er loslässt?
  • Was würde sich verändern, wenn er konsequenter delegiert?
  • Wie sähe eine Organisation aus, in der Verantwortung nicht an ihm kleben bleibt?

Gemeinsam entwickelten wir konkrete Maßnahmen. Keine großen Umbrüche, sondern klare Spielregeln im Kleinen. Ein Beispiel: Wer an seiner Tür klopfte, wartete auf ein „Herein“. Kam keins, ging man wieder. So einfach, so wirkungsvoll. Allein diese Geste schuf Raum.

Was sich verändert hat

Erstaunlich schnell zeigte sich Wirkung.
Führungskräfte und Mitarbeitende hielten sich an die neuen Regeln. Sie übernahmen Verantwortung, trafen Entscheidungen, suchten eigene Lösungen.
Der Geschäftsführer konnte sich auf das fokussieren, was seine eigentlichen Aufgaben sind: Strategie, Entwicklung, Gestaltung.
Heute, wenn ich mit ihm spreche, höre ich nicht mehr:

„Ich kann nicht mehr.“

Sondern:

„Es geht mir gut. Ich habe wieder mehr Zeit für meine Familie.“

Er lächelt dabei. Er wirkt ruhiger. Und er verlässt das Büro zu einer vernünftigen Uhrzeit.

Hintergrund: Organisationen folgen Mustern

Organisationen sind soziale Systeme. Und sie verhalten sich entsprechend. Wie Strom fließt Verantwortung oft den Weg des geringsten Widerstands. In diesem Fall hatte sich ein Muster etabliert: Der Chef macht’s schon. Dieses Muster wurde durch das Verhalten des Geschäftsführers selbst gestützt, aus gutem Willen, aber mit hoher persönlicher Belastung. Der entscheidende Schritt war, dieses Muster zu erkennen und dann bewusst zu unterbrechen.
Im Coaching betrachteten wir verschiedene Führungsstile, analysierten typische Situationen und erarbeiteten:

  • Was passt wirklich zu ihm als Führungspersönlichkeit?
  • Wie kann er das im Alltag umsetzen?
  • Und wie gelingt es, aus dem reaktiven Handeln in ein gestaltendes Führen zu kommen?

Fazit: Wer Verantwortung teilt, gewinnt Gestaltungskraft

„Ich muss hier alles machen“ ist kein Ausdruck von Stärke, sondern ein Warnsignal.
Es zeigt, dass Verantwortung nicht dort liegt, wo sie hingehört. Und dass die Organisation nicht selbstständig handelt, sondern auf eine Person zentriert ist.
Wer das erkennt, kann gegensteuern. Mit klarer Haltung, kleinen Regeln und einer Portion Mut zur Veränderung.

Ihr Holger Lehmann
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Über diese Kolumne
In unserer Reihe „Aus dem Leben eines Beraters“ geben unsere Beratenden persönliche Einblicke in ihren Arbeitsalltag. Sie schildern konkrete Situationen, Herausforderungen und Erfahrungen aus Projekten – und zeigen, wie sie diese im Sinne unserer Kunden gemeistert haben.

👉 Zum Beraterprofil von Holger Lehmann

Aus dem Leben eines Beraters - Christian Sahr

Verbindlichkeit entsteht nicht durch Workshops, sondern gute Entscheidungsarchitektur

„Christian, unsere mittlere Führungsebene hat ein Problem mit Verbindlichkeit im S/4HANA-Projekt …“

In vielen Projekten klingt es so oder ähnlich: „Getroffene Entscheidungen des Lenkungskreises werden hintenrum ausgehebelt, zurückgezogen oder ignoriert. Wir haben Workshops zu Führung und Verantwortung gemacht, Einzelcoachings für kritische Führungskräfte aufgesetzt und mit externen Beratern an einer neuen Führungsleitlinie gearbeitet. Doch irgendwie bringt das alles nichts …“

 

Was auf den ersten Blick logisch und konsequent erscheint, das Problem bei den Menschen zu suchen und dort mit Coachings und Werten anzusetzen, erweist sich in der Praxis oft als ineffektiv. Spätestens nach drei bis vier Wochen sind viele der alten Muster zurück.

 

Warum? Weil das eigentliche Problem nicht auf der persönlichen Ebene liegt, sondern in der Struktur und Dynamik des Systems.

 

Systemische Beobachtung statt vorschneller Intervention

Um Muster zu erkennen, muss man nicht gleich verändern, sondern zuerst beobachten.

Deshalb habe ich als Berater in diesem Fall vier aufeinanderfolgende Sitzungen des Lenkungskreises begleitet.

 

Das Ergebnis war überraschend:

  • Die Besetzung der Meetings war gut.
  • Die Entscheidungsgrundlagen waren sauber vorbereitet.
  • Die Diskussionen verliefen sachlich und zielorientiert.
  • Nach rund 20 Minuten wurde jeweils eine Entscheidung getroffen.

Und doch: Kaum zwei Wochen später wurden die getroffenen Entscheidungen wieder infrage gestellt oder sogar rückgängig gemacht. Die Verbindlichkeit fehlte weiterhin.

 

Warum klassische Ansätze Entscheidungsverbindlichkeit nicht sichern – Was wirklich gefehlt hat

Nicht Mindset.

Nicht Werte.

Nicht Motivation.

 

Was fehlte, war Zeit für Konsequenzbewusstsein. In den Meetings wurde zwar formal entschieden, doch ohne ausreichend Raum, um die Auswirkungen dieser Entscheidungen für den eigenen Bereich durchzudenken. Viele Führungskräfte gaben ihr „Ja“, obwohl sie bereits innerlich zögerten, nicht aus bösem Willen, sondern weil der Entscheidungsprozess diesen Schritt schlicht nicht vorgesehen hatte.

 

So kann Entscheidungsverbindlichkeit systemisch gestärkt werden

Als die Organisation dies erkannte, wurde der gesamte Ansatz zur Lösung des Problems neu gedacht.

 

Die simple, aber wirksame Lösung:

  • Entscheidungen werden nicht mehr im gleichen Termin getroffen, in dem sie diskutiert werden.
  • Stattdessen werden Themen zunächst vorgestellt und diskutiert.
  • Die tatsächliche Entscheidung erfolgt im darauffolgenden Meeting.

Das verschafft allen Beteiligten die notwendige Zeit zur Reflexion. Und erst dann entsteht echte Verbindlichkeit.

 

Ergebnis: Stabile Entscheidungen ohne Rückzieher

 

  • Coachingmaßnahmen und Workshopreihen wurden eingestellt
  • Die Organisation sparte Zeit und Budget
  • Die Entscheidungskultur verbesserte sich spürbar
  • Rücknahmen von Entscheidungen gehören seitdem zur Ausnahme
  • Das Projekt gewann deutlich an Stabilität und Klarheit

 

Theoretischer Hintergrund zur Intervention

In komplexen Organisationen funktionieren viele Prozesse nach Mustern, die sich nicht mit „mehr Motivation“ oder „neuen Werten“ aufbrechen lassen. Stattdessen braucht es Raum für systemische Selbstreflexion und den Mut, strukturelle Ursachen zu erkennen.

Oft scheitert Verbindlichkeit nicht am Menschen, sondern an zu kurzen oder schlecht gestalteten Entscheidungsprozessen. Wenn Organisationen lernen, Entscheidungsvorbereitung und -verantwortung voneinander zu trennen, entstehen robustere Ergebnisse, ohne Zwang und ohne symbolische Pseudo-Maßnahmen.

Über diese Kolumne
In unserer Reihe „Aus dem Leben eines Beraters“ geben unsere Beratenden persönliche Einblicke in ihren Arbeitsalltag. Sie schildern konkrete Situationen, Herausforderungen und Erfahrungen aus Projekten – und zeigen, wie sie diese im Sinne unserer Kunden gemeistert haben.

👉 Zum Beraterprofil von Christian Sahr

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